Ich bin nun die letzten 4 Jahre User eines bzw. mehrerer Produkte der Firma Apple. Aufgrund meiner Beschäftigung wurde ich an einem gewissen Punkt dazu gezwungen, mich mit Mac OS als Arbeitsplattform auseinanderzusetzen und habe mich letztendlich dafür entschieden. Es folgt ein Erfahrungsbericht:

Die Story

Als ich das erste mal mit Mac OS Kontakt hatte, war gerade Leopard veröffentlicht worden. Die Eingewöhnung als Windows- und Linux-User fiel mir damals leicht und das Betriebssystem lief sauber, sicher und gut - kleinere Probleme mal aussŸen vor. Ich war sogar regelrecht begeistert: ein System mit Unix-Unterbau, auf dem trotzdem die Programme laufen, die ich für den normalen Tagesablauf brauche.

Als Snow Leopard veröffentlicht wurde, entschied ich mich, meine Arbeitsplattform auf Mac OSX zu wechseln, kaufte mir ein Macbook Pro und viel Software. Darunter die Adobe Master Collection CS 5.5 für Mac, Coda (2), Art Directors Toolkit, uvm.

Neben dem MB gabs dann noch ein bisschen Peripherie und einen Ipod Shuffle.

Warum Apple Dinge richtig macht

  • Apple bietet die volle Bandbreite an Unterhaltungsgeräten, die untereinander wunderbar kommunizieren und funktionieren. iCloud ist toll - auch wenn ich mich davor sträube persönliche Fotos in eine Cloud zu laden, die ich nicht selber administriere.
  • Sowohl iOS als auch Mac OS bieten ein intuitives Benutzerinterface, einfach zu bedienen und stilistisch schön.
  • Nicht nur das Interface auch die Hardware überzeugt: das Multitouch Trackpad ist bisher die beste Eingabeschnittstelle, die ich auf einem Laptop gesehen habe. Ich bin damit so schnell wie mit meinem Grafiktablett und ein bisschen langsamer als mit der Magic Mouse. AussŸerdem sind die Produkte wirklich schön anzusehen.
  • Stichwort: Target Mode. Mit Firewire oder Thunderbolt von einem Zweitsystem booten. Mac Pro unterm Tisch, Macbook zum mitnehmen und trotzdem nur ein System, auf dem gearbeitet wird.
  • Mein Ipod Shuffle ist ein Traum. Ich kann mir keinen besseren Mp3-Player vorstellen. Auch die anderen iPods machen eine gute Figur. Hier würde ich wieder zu einem Apple Produkt greifen, ohne zu überlegen.
  • Ja: Apple Produkte sind schön, genauso wie Braun Produkte vor 30 Jahren schon schön waren - allerdings ist Form im Vergleich zur Function bei meinem Arbeitswerkzeug eher zweitrangig.
  • Unix - as I mentioned before.
  • HFS pwns NTFS!
  • ProRes! <3

Was besser sein könnte

  • Macports is driving me crazy und Homebrew bietet nicht alles, was ich gerne haben möchte. Warum gibt es keine systemeigene Schnittstelle um Unix-Software unkompliziert auf Mac zu kompilieren? Ein Paketmanager muss her!
  • Unnötige Features, die sich nicht abstellen lassen. Stichwort: Launchpad. Nennt mir einen User, der das wirklich benutzt.
  • NTFS Support: warum muss ich erst Software von Drittanbietern installieren um NTFS vernünftig schreiben zu können? Jede aktuelle Linux-Distribution bringt das von Haus aus mit.
  • Der Preis. Darüber brauchen wir gar nicht diskutieren: Apple (Hardware) Produkte sind einfach überteuert. Aber wie es in einer Konsumgesellschaft so ist, zahlen wir für den Apfel auf dem Rücken eben mit.
  • Offenes OS: anfangs habe ich mich intensiv mit Hackintosh beschäftigt - was sich als regelrechte Tortur herausstellte. Warum muss ich mir einen Mac kaufen um das OS simpel nutzen zu können? Vor allem seit die Prozessorarchitektur von Macs sich nicht mehr von der Architektur der casual PCs unterscheidet, finde ich es wirklich angebracht das OS standalone auf den Markt zu werfen. In Zeiten von Gewinnoptimierung ist das anscheinend kein lohnendes Geschäftsmodell.
  • Offenere Systeme, mehr Möglichkeiten: Jailbreaks sind in aller Munde. Warum? Allgemein ist man so schrecklich eingeschränkt. Wenn man keine Unix-Erfahrung hat und mit dem Terminal umgehen kann, kann man unter Mac OS viel zu wenig personalisieren und einstellen. AussŸer man kauft externe Software ein, die einem Regler für all das Konsolenzeug zur Verfügung stellt. Alle anderen Apple-Geräte funktionieren prima untereinander. Aber was ist, wenn ich Apple-TV nicht mit iTunes, sondern einem UPnP-AV Server nutzen will? Das ist Industriestandard?! Genau wie einheitliche Micro USB Ladegeräte für Mobiltelefone. Nicht mal das iPhone 5 bringt einen Micro USB Anschluss mit. Dafür, dass Apple laut allgemeiner Meinung eine der innovativsten Technologiefirmen ist, hinken sie der Zeit ziemlich hinterher. Und das sind nur einige Beispiele für eine Vielzahl Beschränkungen, die der Kunde in Kauf nehmen muss.

Und warum das trotzdem nicht reicht

  • Stichwort Qualitätsabfall: Die Software leidet seit Snow Leopard an einem kontinuierlichen Abfall der Qualität. Lion und Mountain-Lion sind buggy und einige Bugs sind selbst ein Jahr nach Release nicht gefixt. Ein Beispiel dafür wäre, dass die Systemleiste schwarz wird wenn ich einen externen Monitor angeschlossen habe und von einer Fullscreen App auf den Desktop wechsle. Mail.app ist mit grössŸeren Posteingängen massiv überlastet und auf Lion friert alles hin und wieder mal ein. Anstatt eines blauen Bildschirms (wie damals bei Windows 98) warte ich nun 10 Minuten, bis ich feststelle, dass ausser abgestürztem Programm X nun gar nichts mehr geht.
  • Stichwort geplante Obsoleszenz: Just 2 Wochen nach Ablauf der Garantie ging der erste Lüfter kaputt, Reparatur DIY kostete trotzdem 70€. Dann kam die Festplatte und jetzt zickt wieder der Lüfter (regelmässŸig gereinigt). Der Akku hat sich nach 2,5 Jahren aufgebläht und drückt nun von unten auf das Trackpad, welches man nur noch durch Tippen bedienen kann. Das ist jetzt meine Erfahrung, die aber leider kein Einzelfall ist. Bei anderen Herstellern wird diese Praktik auch betrieben, gerade bei Druckern. In meinem Einzelfall sind Apple Produkte allerdings am schlimmsten betroffen.
  • Stichwort Verconsumerung: Apples Software hat schon lange den Anschluss an die Profi-Liga verloren. Aus Final Cut wird iMovie Pro und Motion wird nur noch zum Aufhübschen der Urlaubsaufnahmen verwendet. Die Zielgruppe hat sich ganz klar Richtung Hipster verschoben. Einziger Lichtblick ist momentan noch Logic - aber ich erwarte Garageband Pro noch 2013.

Das Recap

War ich anfangs noch so begeistert, steige ich jetzt wieder auf Windows und Linux um. Version 8 von Microsofts OS macht zwar auch einige Dinge falsch, läuft aber stabiler als Mac. Period!

Ich will hier keine Diskussion zwischen Apple-Fanbois und -Hassern erzeugen, sondern meine eigenen Erfahrungen rund um Apple kundtun. Dabei sind ja auch einige positive, wobei die negativen in meinem Fall überwiegen.

Mein System der Zukunft heissŸt jetzt Windows 8 (für die Adobe Sachen) in Verbindung mit Ubuntu (mobile) fürs anständige Arbeiten mit Code.

Ein Update aus Mitte 2015

Juli 2015, ich portiere gerade den alten Blog auf Jekyll und komme nicht drumherum hier noch etwas dazuzuschreiben:

Ubuntu Phone kam Anfang dieses Jahres. Es ist genauso wie Firefox-OS ein reines Mobilsystem geworden. Dockingstation für Bildschirm und Tastatur? Tja, das haben wir immer noch nicht wirklich. Auch Ubuntu für Android macht keine gute Figur. Schade.

Tja, ich bin bei Mac geblieben, da ich aus Kosten- und Einfachheitsgründen ein einzelnes mobiles System haben wollte. Bisher habe ich diese Entscheidung nicht bereut. Windows ist eine absolute Katastrophe, wenn man etwas mehr mit der Konsole arbeitet. Linux und Adobe mögen sich leider nicht. Solange sich an einem der beiden Punkte nichts ändert, werde ich wohl bei Mac bleiben (müssen). Oder ich höre irgendwann mit dem Video/Design Kram auf und schreibe nur noch Code, dann hol ich mir ein Linux System. Oder ich höre mit dem Code-Kram auf und mache nur noch Videos und Designs, dann… ehm… dann…

Photo by QuinnDombrowski from Flickr - CC BY-SA 2.0